Verfasst von: ulf | 1. Oktober 2007

Lückentexte…

Lückentexte gehören zu den häufigsten Papierübungen, die im Unterricht eingesetzt werden. Was genau sie testen, ist allerdings eher unklar.

So sinnvoll Lückentexte mitunter sein mögen, um den Fokus auf ein bestimmtes sprachliches Phänomen zu lenken, so monoton und demotivierend sind sie für manche Schüler auch.

Hier ein paar Anregungen, wie man Lückentext-Übungen zumindest etwas aufpeppen kann (…wenn sie sich schon nicht vermeiden lassen.)

1. Wenn genügend Zeit vorhanden ist, können die Schüler in Paaren selbst Lückentexte für ihre Nachbar-Gruppe entwerfen. Beim Verfassen von Lückentexten wird sprachlich mindestens soviel Wissen aktiviert wie beim Ausfüllen. Der Effekt bei der Arbeit mit selbst erstellten Lückentexten ist allerdings vielschichtiger: Zum einen müssen die Paare sehr gründlich arbeiten, um einen Lückentext zu erstellen, der „Sinn“ macht. Hier wird sowohl Regelwissen aktiviert als auch sprachlich „gearbeitet“, da die Lücken ja Sinn machen und auf die richtige Spur führen müssen. Die Schüler brauchen während der Ausarbeitung oft Unterstützung durch den Lehrer. Man sollte aber warten, bis diese eingefordert wird und sich nicht aufdrängen. Vor dem „Tauschen“ der Lückentexte sollte man allerdings sicher stellen, dass diese einigermaßen korrekt geschrieben und „ausfüllbar“ sind. Die „Korrektur“ sollte konsequenterweise durch die Schüler erfolgen, die den Lückentext ausgearbeitet haben.

2. Wenn ein Lückentext kürzer eingesetzt werden soll, ist eine „Spielart“ die hälfte der Lücken bereits auszufüllen: Hierbei empfiehlt es sich, zwei Versionen anzufertigen. So bekommt Partner A einen Lückentext, bei dem die Lücken 1,3,5,7 usw. ausgefüllt sind, bei Partner B sind es 2,4,6,8 usw. Jeder versucht zunächst, die fehlenden Lücken selbständig auszufüllen, bevor mit dem Partner verglichen wird. Das entscheidende ist der Vergleich. Sämtliche „korrekten“ Antworten sind in den Paaren ja vorhanden. In der Anweisung muss also deutlich gemacht werden, dass die Partner eher versuchen sollen, sich das „Warum“ zu erschließen. Abschließend wir gemeinsam nur noch über die unklaren Lücken gesprochen.

3. Eine dritte Spielart ist, die meisten Lücken vorab auszufüllen, aber ein paar Fehler zu verstecken. Die Aufgabe „beschränkt“ sich dann darauf, die z.B. drei versteckten Fehler zu finden. Das klingt trivial, ist bei einem für die Schüler herausforderndem Thema aber alles andere als das. Wenn in Paaren wirklich jede ausgefüllte Lücke auf ihre „Güte“ geprüft wird, bedeutet das in aller Regel ein sehr intensives Arbeiten. (Diese Variante sollte man unbedingt in Paaren und/oder Kleingruppen durchführen.)

4. Schließlich gibt es auf höheren Niveaus die Möglichkeit, vor dem tatsächlichen Ausfüllen der Lücken einen Zwischenschritt einzuführen. Gerade in Prüfungstrainings kommen häufig Übungen vor, in denen die Schüler im Rahmen eines Fließtextes Lücken ausfüllen oder Multiple-Choice-Fragen beantworten müssen. Hier hilft es oft, die Schüler vor der genauen Antwort die Lücke genau definieren zu lassen.

Beispiel: Er hat sich schon früher oft um seine Oma ___________.
Frage: Was wird gesucht?
Mögliche Antwort: Ein Partizip II, das Verb hat „um“ als feste Präposition und ist reflexiv.

Auf diese Weise trainieren die Schüler, analytisch an Lückentexte heran zu gehen und nicht zu assoziativ die Lücken auszufüllen. (Allerdings ist das nicht unbedingt hoch motivierend. Insofern macht es nur in der Prüfungsvorbereitung wirklich Sinn.)

Abschließend sei bemerkt, dass sich Lückentexte häufig durch andere, lebensnähere Übungen ersetzen lassen.
Da einerseits unklar ist, was Lückentexte tatsächlich messen und andererseits zweifelhaft bleibt, was sie fördern oder trainieren (im sprachlichen Bereich), kann von übertriebenem Einsatz dieser Übungen nur abgeraten werden.

Mal ehrlich: Wann begegnet man im Leben schon einem Lückentext? Er hat wohl eher im Klassenzimmer seine biologische Nische entdeckt.

Powered by ScribeFire.

Advertisements

Responses

  1. […] … zweiter Teil Über Lückentexte wurde hier bereits geschrieben (siehe Post) und es kamen viele Anregungen, Hinweise und positive wie negative Kritik zu dem Beitrag. Eine […]

  2. […] Zu den beiden letzten Posts (Link1 / Link2) hier noch ein paar Links, die interessant sein […]


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: